Verbrennungschirurgie

Ähnliche operative Methoden wie in der Rekonstruktiven Chirurgie werden auch in der Verbrennungschirurgie eingesetzt. Unmittelbar nach der Verbrennung geht es allerdings primär um die Erhaltung des Lebens. Verbrannte, abgestorbene Teile der Körperoberfläche zu entfernen und durch frühzeitige Defektdeckung die großen Verluste von Flüssigkeit einzudämmen, ist das erste Ziel. Bei großen Verbrennungsflächen müssen besondere Techniken des Hautersatzes angewandt werden, da eine Verpflanzung gesunder Hautflächen das Problem des Verbrannten nur noch verschlimmert. Erst nach Überwindung dieser kritischen Zeit beginnt die meist lange Phase der schrittweisen endgültigen Wiederherstellung der Körperoberfläche.
Die Vermeidung oder Beseitigung von ausgedehnten Narbenflächen erfordert langandauernde, konservative Behandlungen und immer wieder Operationen, die durch mikrochirurgische Techniken der Gewebeübertragung deutlich verbessert werden. Verbrennungspatienten sind daher häufig jahrelang behandlungsbedürftig, bis ein tragbarer Endzustand von Form und Funktion erreicht wird.

Verbrennungen, ein Überblick

Verbrühung, Verbrennung, Verätzung, Strom oder Blitzschlag haben alle eines gemeinsam: Sie verletzen unsere Haut, sind äußerst schmerzhaft und heilen langsam. Selbst kleine Verbrennungen können zu dauerhaften Schäden führen, wenn sie z.B. den Gesichts- oder Handbereich betreffen. Als Faustregel gilt, dass eine Bagatellwunde nach etwa 10 bis 14 Tagen abgeheilt sein muss. Ist dies nicht der Fall, sollte die Behandlung durch einen Sachkundigen übernommen werden. Verbrennungsmedizin und die plastisch-chirurgische Behandlung der Verbrennungen ist eine der tragenden Säulen der Plastischen Chirurgie geworden.
Welche Art der Verbrennungen gibt es?

Verbrennungen lassen sich unterteilen in Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten, Flammenverbrennungen, Verätzungen durch Laugen und Säuren sowie Erfrierungen, die ein ähnliches Krankheitsbild aufweisen.

Woran erkennt man das Ausmaß einer Verbrennung?

Für die Prognose einer Verbrennungsverletzung ist die Bestimmung des Volumens an zerstörtem Gewebe ausschlaggebend, das sich aus dem Ausmaß der verbrannten Körperoberfläche und der Tiefe der Verbrennungswunden zusammensetzt. Nach dem Befund der Verbrennungswunde läßt sich folgende Einteilung treffen:
Eine Hautrötung ohne Blasenbildung gilt als erstgradige Verbrennung. Verbrennungen mit dünnen wäßrigen Blasen sind oberflächliche zweitgradige Verletzungen, während dickwandige Blasen mit weißlichem Wundgrund schon als tief-zweitgradige Verbrennungen einzuschätzen sind. Die ledrig-trockene Wunde entspricht einer drittgradig tiefen Verletzungen, die am schmerzlosesten ist, weil die unter der Haut liegenden Nervenenden ebenfalls verbrannt sind. Außer der Tiefe muß die flächenhafte Ausdehnung der Verbrennungswunden bestimmt werden. Dazu benutzt man die Neunerregel: Kopf/Hals und Arm je 9% der Körperoberfläche. Bein, Rumpf vorn, Rumpf hinten je 18% der Körperoberfläche. Die Handfläche des Verletzten entspricht 1% der Körperoberfläche. Wenn mehr als 20% Körperobefläche, bei Kinder 5%, verbrannt sind, muss die Verbrennungswunde in einem Krankenhaus behandelt werden.

Weitere wichtige Faktoren für die Prognose des Brandverletzten sind Begleitverletzungen wie das Inhalationstrauma (Verletzung der Lunge durch Rauch und Hitze), das Alter des Patienten, vorher bestehende Erkrankungen sowie der Zeitpunkt der Schockbehandlung und der operativen Entfernung der tiefen Verbrennungswunden.

Wie heilt eine Verbrennungswunde?

Leichtere Verbrennungen (erstgradig) heilen innerhalb von 10-14 Tagen - manchmal auch innerhalb von drei Wochen - relativ folgenlos ab, lediglich eine vermehrte Wärme-, Kälte- oder auch Sonnen-Empfindlichkeit bleibt zurück - auch dies nur für kurze Zeit. Heilt die Wunde nicht innerhalb des genannten Zeitraums, so muß man davon ausgehen, dass die Haut auch in tieferen Schichten geschädigt wurde. Die Selbstheilungskapazität der Haut reicht nicht mehr aus, um eine folgenlose Abheilung zu garantieren. Die Resultate einer Nichtbehandlung sind eine stark verzögerte Wundheilung mit einer erheblichen Narbenbildung, welche sich auch nach Jahren nicht mehr normalisiert, eine vermehrte Verletzlichkeit und stets sichtbare Veränderungen.
Sind alle Hautschichten in Mitleidenschaft gezogen (sog. drittgradige Verbrennungen), ist an eine Selbstheilung nicht mehr zu denken. Die Wunde heilt allenfalls vom Rand her. Das kann bei großen Wunden Monate dauern und erhebliche Narbenbildung hervorrufen. Bei den tief-zweitgradigen, also tief in die Haut dringenden Verbrennungen, sowie bei den drittgradigen Verbrennungen werden heutzutage Hauttransplantation vorgenommen, die eine raschere Wundheilung mit einem akzeptablen Ergebnis erreichen können. Ausschlaggebend ist nicht nur der funktionale Aspekt, daß der Patient z.B. seine Hand wieder gut bewegen kann, sondern auch der ästhetische Aspekt, insbesondere an ständig unbekleideten Körperstellen.

Wie werden Verbrennungen behandelt?

Die Behandlung geringgradiger Verbrennungen erfolgt ambulant, während die Versorgung jeder Verbrennungsverletzung über 20% Körperobefläche, bei Kinder 5%, generell im Verbrennungszentrum erfolgen muss. In diesen Einrichtungen wird der Brandverletzte von der Akutphase in der die intensivmedizinische und chirurgische Behandlung erfolgt, bis zu seiner medizinischen, psychologischen und sozialen Rehabilitation betreut
Die Behandlung oberflächlicher Verbrennungswunden erfolgt konservativ, Während erstgradig verbrannte Wunden lediglich kühlende Umschläge erfordern, müssen oberflächlich zweitgradige Wunden mit antibakteriellen Lösungen oder Salben behandelt werden. Tiefe Verbrennungswunden müssen operativ versorgt werden, da keine Möglichkeit der Spontanheilung besteht.

Erste Hilfe nach Verbrennungen

Die Erste Hilfe bei Verbrennungen besteht vor allem in Entfernen von Kleidern und Stoffresten (Windeln!) und dem Kühlen der verbrannten Fläche (nicht des gesamten Patienten) mit kaltem Wasser. Leitungswasser ist ausreichend. Kleinere Verbrennungen können fortlaufend gekühlt und mit sterilen feuchten Verbänden (Autoapotheke!) verbunden werden, bis eine endgültige Behandlung vom Arzt eingeleitet wird. Bitte keine Salben, Öle, Puder oder ähnliches auf die Wunde geben!

Erstmaßnahmen:

  • Beseitigung der Hitzequelle. Bei chemischen oder elektrischen Verletzungen: Ausschalten des schädigenden Agens. Entfernung der heißen Kleider, Stromabschaltung etc. Selbstschutz beachten
  • Prüfung der Vitalfunktionen, ggf. Wiederbelebungsmaßnahmen.
  • Bei kleineren Verletzungen: Kühlung mit Leitungswasser bis zur Linderung des Schmerzes. Vorsicht bei ausgedehnteren Verbrennungen, keine Unterkühlung. Bei chemischen Verletzungen: Spülen mit Wasser, wenn keine weiteren Einzelheiten bekannt sind, sonst spezifische Behandlung (bei Phenol, Phosphor, Flußsäure zum Beispiel ist Wasser unzureichend, wirkungslos oder sogar schädlich), Sicherstellen der schädigenden Flüssigkeit.
  • Schmerzbekämpfung.
  • Lokalbehandlung (sterile oder saubere Abdeckung - keine Brandsalben, keine Gele, keine Zahnpasta o. ä.).


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